Konjunktur

Für Wirtschaft und Politik ist es von großem Interesse, wie sich die Konjunktur entwickelt.

Die Erwartungen an die wirtschaftlichen Entwicklung sind zum einen eine wesentliche Grundlage für unternehmerische Entscheidungen, zum anderen aber auch wichtige Erkenntnisquelle für die Wirtschaftspolitik.
Die IHK zu Coburg untersucht regelmäßig, wie sich Wirtschaft und Konjunktur in der Region entwickelt. Sie bezieht Stellung, um Wachstum und Beschäftigung zu fördern.

Konjunkturumfrage

Mit der Konjunkturumfrage verfolgt die IHK das Ziel, Aufschluss über die aktuelle Wirtschaftslage der Unternehmen in den einzelnen Wirtschaftszweigen und Branchen zu erhalten.

Dreimal jährlich befragt die IHK deshalb eine repräsentative Stichprobe aus allen IHK-Mitgliedsunternehmen unterschiedlicher Wirtschaftszweige und Branchen in Stadt und Landkreis Coburg, wie sie ihre gegenwärtige und künftige Geschäftslage einschätzen.
Die Konjunkturberichte aller IHKs sind die Grundlage für die Konjunkturanalyse des DIHK, die ihrerseits eingeht in die konjunkturelle Bewertung, wie sie z.B. vorgenommen wird vom Sachverständigenrat, der Deutschen Bundesbank und der Bundesregierung.

Mit der Teilnahme an der IHK-Konjunkturumfrage können Sie mit dazu beitragen, bessere Rahmenbedingungen für wirtschaftliches Handeln einzufordern. Sprechen Sie uns bitte an, wenn Sie Interesse haben und an der Umfrage teilnehmen wollen.

Anmelden können Sie sich hier.

IHK-Konjunkturumfrage Frühjahr 2020

Corona setzt regionaler Wirtschaft zu

„Die Corona-Krise hat unsere Unternehmen im Wirtschaftsraum Coburg mit bisher nicht gekannter Härte getroffen. Dennoch in einigen Betrieben keimt langsam gewisse Zuversicht auf Geschäftsbelebung“, kommentiert Präsident Friedrich Herdan die aktuelle Konjunkturumfrage der IHK zu Coburg.

Aktuelle Geschäftslage:

Die von der Politik angeordneten, einschneidenden Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus haben die Geschäftstätigkeit im Einzelhandel, im Hotel- und Gaststättengewerbe sowie im Messe- und Veranstaltungswesen zwischenzeitlich in Teilen vollständig zum Erliegen gebracht. Doch auch über die genannten, besonders betroffenen Branchen hinaus sind die wirtschaftlichen Konsequenzen der Corona-Krise gravierend. Nachfrageausfälle im In- und Ausland, unterbrochene Lieferketten sowie Verunsicherung von Investoren und Auftraggebern haben in unserer regionalen, stark exportorientierten Industrie bereits jetzt tiefe Spuren hinterlassen - mit noch nicht abzusehender Langzeitwirkung.

Derzeit bezeichnen nur noch 19 Prozent der Betriebe die Geschäftslage als „gut“, 28 Prozent bezeichnen sie immerhin noch als „befriedigend“, während 53 Prozent der Unternehmen die momentane Situation als „schlecht“ beurteilen. Folglich ist der Saldo aus guten und schlechten Lagebewertungen mit -34 weit in den Negativbereich gerutscht (zu Vorquartal -59 Punkte).

Erwartete Geschäftslage:

Die Verunsicherung bleibt hoch, 43 Prozent rechnen mit anhaltender Verschlechterung der Geschäftslage. Dennoch es gibt auch Hoffnungssignale: Immerhin 26 Prozent der Unternehmen erwarten eine günstigere Geschäftsentwicklung in den kommenden Monaten.

IHK-Konjunkturklimaindikator:

Vor diesem Hintergrund sinkt der IHK-Konjunkturklimaindikator, der als Stimmungswert sowohl die aktuelle Geschäftslage der Unternehmen als auch ihre Geschäftserwartungen abbildet, um 36 Punkte auf jetzt nur noch 74. Das ist der bisher niedrigste Wert unserer IHK-Konjunkturauswertungen. Zum Höhepunkt der Finanzkrise 2009/10 fiel der Indikator auf den damaligen Tiefststand von 85.

„Unsere Unternehmen brauchen für den Neustart zügig verlässliche und klare Perspektiven mit Blick auf weitere Lockerungen der Corona-Beschränkungen sowie stimulierende, zielgenaue Maßnahmen zur Förderung der wirtschaftlichen Erholung - weiteres Rumeiern schadet mittlerweile in jede Richtung! –

Dazu zählen neben einem Moratorium bis 2021 für Gesetze, Verordnungen und sonstige regulative wie bürokratische Vorhaben, die unsere Unternehmen belasten und vom Kerngeschäft abhalten. Deutliche Ausweitung der Verlustrücktragsmöglichkeiten, rückwirkende Senkung der Unternehmenssteuern, vollständiger Abbau des Solidaritätszuschlages, Reduzierung der Strompreise sowie Möglichkeiten der degressiven Abschreibung, als ein Konjunkturprogramm ist jetzt das probate Mittel der Wahl“, so IHK-Präsident Herdan abschließend.

Die Branchen im Einzelnen

Industrie gesamt

Aktuelle Lage: Die Stimmungslage der stark exportabhängigen Coburger Industrie war aufgrund des schwierigen außenwirtschaftlichen Umfelds bereits vor Ausbruch der Corona-Krise angespannt. Die existenten Probleme werden nun zusätzlich durch Nachfrageausfälle und Angebotsstörungen überlagert. 56 Prozent der befragten Branchenvertreter berichten in den ersten vier Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von Umsatzeinbußen von bis zu 50 Prozent. Nur noch 19 Prozent der befragten Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als „gut“, 24 Prozent als befriedigend und 57 Prozent sind mit ihrer geschäftlichen Situation unzufrieden. Dies ist im Saldo mit -38 Punkten der tiefste Wert seit Beginn der digitalen Erfassung der Zeitreihe im Jahr 1999.

Erwartungen: Die regionale Industrie blickt zurückhaltend auf die zu „erwartende Geschäftslage" in den nächsten Monaten. Mehr als zwei Drittel rechnen über das gesamte Jahr hinweg mit einem Umsatzrückgang von bis zu 50 Prozent. Der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen liegt bei -8 Punkten. Eine schnelle Rückkehr zur „Normalität“ ist nicht in Sicht. 51 Prozent der befragten Branchenvertreter sehen sich außerstande den Mitarbeiterstand zu halten.

Industrie im Einzelnen:

Maschinenbau

Aktuelle Lage: Coburgs exportstarke Maschinenbauer berichten von wegbrechenden Neuaufträgen und unterbrochenen Absatzwegen. Der noch gute Auftragsbestand aus dem Vorjahr sorgt für noch gewisse Auslastung. Nach Ergebnissen der Befragung ist bei drei Viertel der Branchenvertreter der aktuelle Liquiditätsstatus zum 30.04.2020 dennoch gut bzw. befriedigend.

Erwartungen: Auch in den kommenden Monaten wird es mit gedrosselter Dynamik weitergehen. 75 Prozent der Unternehmen rechnen mit gleichbleibend und noch schlechteren Geschäften.

Automobilzulieferer und Vorleistungsgüterindustrie

Aktuelle Lage: Die heimischen Automobilzulieferer und Vorleistungsgüterproduzenten sind mit dem kollektiven Produktionsstopp der Automobilindustrie im April sowie den weiterhin bestehenden strukturellen und konjunkturellen Problemen in dieser Branche in besonderer Weise getroffen. 55 Prozent der Unternehmer verzeichnen in den ersten vier Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum Umsatzrückgänge von mehr als 50 Prozent. Die Geschäftslage hat sich dementsprechend eingetrübt: 45 Prozent der Betriebe sind „unzufrieden“ (Vorquartal 11 Prozent).

Erwartungen: Trotz des langsamen Wiederhochfahrens der Fahrzeughersteller (OEM) Anfang Mai ist mit Blick auf die „Geschäftserwartungen" der heimischen Branchenvertreter eine schnelle Erholung eher unwahrscheinlich, denn während nur 19 Prozent mit Belebung rechnen, äußern sich 44 Prozent gegenteilig. Im Vergleich zum Vorjahr erwarten die Hälfte der befragten Unternehmer im Jahr 2020 einen Umsatzrückgang von bis zu 50 Prozent.

(Polster-)Möbelindustrie

Aktuelle Lage: Die befragten Gebrauchsgüterproduzenten leiden in besonderem Maße unter den Corona-Beschränkungen. Infolge von Schließungen der Einrichtungshäuser Ende März, mussten alle befragten Branchenvertreter wegen Auftragsmangel Kurzarbeit anmelden. Bei 73 Prozent sind die Umsätze in den ersten vier Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um bis zu 50 Prozent gesunken. Dementsprechend fällt die Stimmungslage der „Möbler“ aus: Neun von zehn berichten von einer „schlechten“ aktuellen Geschäftslage.

Erwartungen: Mehrheitlich bleiben die Geschäftsaussichten für die kommenden Monate gedämpft, wenngleich es auch sehr verhalten optimistische Äußerungen gibt. 55 Prozent der regionalen Möbelhersteller erwarten für 2020 im Vergleich zu 2019 einen signifikanten Umsatzrückgang. 

Dienstleistung

Versicherungs- und Finanzgewerbe

Aktuelle Lage: Das regional im bayerischen Vergleich außergewöhnlich starke Versicherungs- und Finanzgewerbe meldete in der Vergangenheit kontinuierlich sehr gute Geschäfte. Dies hat sich nun durch die Corona-Krise relativiert. Mehrheitlich zeigen sich die befragten Branchenvertreter mit der aktuellen Geschäftslage zwar immer noch zufrieden, aber 17 Prozent beurteilen die Lage inzwischen als „schlecht“.

Erwartungen: Die kommenden Monate sind auf Grund der Rezession und damit einhergehenden Kreditausfällen von großer Unsicherheit geprägt. Infolgedessen rechnen 50 Prozent der Befragten mit schlechterer Geschäftslage, 17 Prozent bleiben dennoch optimistisch.

Unternehmensnahes Dienstleistungsgewerbe

Aktuelle Lage: Die Corona bedingte konjunkturelle Schwäche insbesondere in der Industrie greift auch auf das unternehmensnahe Dienstleistungsgewerbe über. Der Saldo aus positiven und negativen Lageurteilen trübt sich ein, bleibt aber mit +7 Punkten im positiven Bereich. 43 Prozent der Branchenvertreter berichten von konstant gebliebenen Umsätzen in den ersten vier Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, bei 25 Prozent ist der Umsatz aber um bis zu 50 Prozent gefallen.

Erwartungen: Die Geschäftsaussichten für die kommenden Monate in dieser Branche werden pessimistisch eingeschätzt: 36 Prozent der Unternehmen rechnen mit Eintrübungen, nur 21 Prozent mit Geschäftsbelebung.

Handel

Einzelhandel

Aktuelle Lage: Der stationäre Einzelhandel hat in der Corona-Krise außerordentlich schwere Lasten zu tragen. Über Wochen andauernde Geschäftsschließungen, vorsichtige und mitunter nur partielle Ladenöffnungen sowie die krisenbedingte Verunsicherung der Verbraucher haben der Branche extrem zugesetzt. In Folge äußern sich nur 8 Prozent der befragten Unternehmer positiv zu ihrer aktuellen Lage und 42 Prozent bewerten sie als „schlecht“. 92 Prozent berichten von Umsatzrückgängen von über 50 Prozent in den ersten vier Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. 

Erwartungen: Eine rasche Besserung ist für die kommenden Monate nicht zu erwarten. So sorgen verbreitete Kurzarbeit und Ängste um den Verlust des Arbeitsplatzes für denkbar schlechte Konsumlaune. Nur 27 Prozent der regionalen Einzelhändler gehen von einer verbesserten Geschäftsperformance aus.

Großhandel

Aktuelle Lage: Auch im Großhandel hat sich die aktuelle Geschäftslage eingetrübt.

Zwar waren die Grossisten selbst nicht von Geschäftsschließungen betroffen, doch Kunden in Einzelhandel, Gastronomie, Industrie und Gewerbe nahmen den Grossisten infolge der Corona-Krise merklich weniger Waren ab. Nur noch jeder fünfte befragte Branchenvertreter kann sich derzeit über gut gehende Geschäfte freuen, mehr als die Hälfte berichtet von einem schlechten Geschäftsverlauf. 

Erwartungen: Auf die kommenden Monate schauen die Grossisten mit Skepsis. Nur 17 Prozent der befragten Unternehmer erwarten geschäftliche Aufhellungen. 42 Prozent gehen jedoch von rückläufiger Geschäftsentwicklung aus. Für das laufende Jahr rechnen zwei Drittel der Grossisten mit Umsatzrückgang von 25 Prozent im Vergleich zu 2019.

Tourismus

Aktuelle Lage: Das Hotel- und Gaststättengewerbe ist durch krisenbedingte Betriebseinschränkungen bzw. -schließungen von über zwei Monaten außerordentlich betroffen. Dementsprechend fällt die Lagebeurteilung katastrophal mit einem Saldo von -79 Punkten aus. Nicht einmal jedes zehnte Unternehmen beurteilt seine aktuelle Geschäftslage noch als „gut“.

Erwartung: Das schrittweise Wiederhochfahren von Teilen der Branche unter verschärften Hygieneauflagen sorgt nicht durchgreifend bei jedem Unternehmen für Optimismus. 59 Prozent der befragten Branchenvertreter gehen von einer weiteren Verschlechterung der Geschäftslage in den kommenden Monaten aus. Immerhin noch ein Drittel erwartet einen zaghaft positiven Effekt fürs Geschäft.

Archiv

In unserem Archiv finden Sie die Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfragen der vergangenen Jahre.