Ehrbarer Kaufmann / CSR

Der ehrbare Kaufmann ist ein zentraler Leitbegriff in der IHK-Arbeit. Die Bayerischen IHKs haben in einem Exzellenzprojekt Strategien und Maßnahmen entwickelt, um den Begriff des ehrbaren Kaufmanns noch mehr Geltung zu verschaffen.

Auch die Industrie- und Handelskammer zu Coburg engagiert sich für verantwortungsvolles Unternehmertum. Dies ergibt sich schon aus dem IHK-Gesetz, in dem die Industrie- und Handelskammern aufgefordert werden „für Wahrung von Anstand und Sitte des ehrbaren Kaufmanns zu wirken" (§ 1 Absatz 1 IHK-Gesetz). Dies bedeutet den klaren Auftrag, aktiv für Fairness und Nachhaltigkeit im Wirtschaftsleben einzutreten.
Deshalb haben die bayerischen Industrie- und Handelskammern das Exzellenzthema „Ehrbarer Kaufmann" geschaffen.

Wichtigste Ziele sind:

  • Unternehmerische Freiheit fördern und unterstützen
  • Bestärkung und Unterstützung der Mitgliedsunternehmen in einer verantwortungsvollen Unternehmensführung
  • Vorhandene Maßnahmen systematisieren und als Erfolgsfaktor in die Unternehmensstrategie, Produkte und Betriebsabläufe integrieren
  • Die IHK hat eine Vorbildfunktion beim Einsatz für das Leitbild des ehrbaren Kaufmanns

Die Ziele des Leitbilds werden u. a. durch folgende Maßnahmen umgesetzt:

  • Vorschlagen von ehrenamtlichen Handelsrichtern für die Kammern für Handelssachen
  • Einsatz für fairen Wettbewerb (u.a. Schlichtungsstelle nach § 15 UWG)
  • Begleitung der Unternehmen in ihrem gesellschaftlichen Engagement (Corporate Social Responsibility–CSR, durch: Veranstaltung von mehreren Bayerischen CSR-Tagen durch den Bayerischen Industrie- und Handelskammertag, Merkblätter und Einzelfallberatungen)

CSR - Corporate Social Responsibility

Als Corporate Social Responsibility (CSR) wird die Verantwortung von Unternehmen für die Auswirkungen ihres Handelns auf die Gesellschaft bezeichnet. Dabei ist nicht nur die soziale Verantwortung von Unternehmen gemeint, sondern ihre gesamtgesellschaftliche, also auch ihre ökologische und ökonomische Verantwortung. CSR ist kein zusätzliches Projekt, sondern ein Prozess, der Verantwortung entlang der vier Handlungsfelder Ökonomie, Arbeitsplatz, Gemeinwesen und Ökologie in das Kerngeschäft eines Unternehmens integriert und unternehmensspezifisch mit Leben füllt. Es geht nicht darum, in allen Punkten ideologisch nachhaltig zu handeln, also etwa die gesamten Geschäftsbriefe auf Recycling-Papier zu drucken. Sondern darum, die richtigen Fragen im Kerngeschäft zu stellen: Wo ist der größte Hebel in meinem Betrieb, um einen sozial-ökologischen Mehrwert zu schaffen? Dies gilt sowohl in nationaler als auch in internationaler Hinsicht.

Praxisleitfaden "Unternehmenserfolg durch wertebasierte Unternehmensführung"

BIHK-Broschüre "Verantwortung lohnt sich"

BIHK-Broschüre "Verantwortung lohnt sich weltweit"

Merkblatt zur CSR-Berichtspflicht

SDG-Wegweiser - Ziele für nachhaltige Entwicklung
Weitere Informationen dazu finden Sie hier

Sorgfaltspflichtengesetz vorgestellt

In einer gemeinsamen Pressekonferenz Mitte Februar 2021 stellten die Bundesminister Hubertus Heil (Arbeit und Soziales), Dr. Gerd Müller (Wirtschaftliche Zusammenarbeit) und Peter Altmeier (Wirtschaft und Energie) die Eckpunkte des Sorgfaltspflichtengesetzes (ehemals Lieferkettengesetz) vor. Der Referentenentwurf wird gegenwärtig zwischen den Ministerien abgestimmt. Der Kabinettsbeschluss ist für den 17. März geplant. Das Gesetz soll noch in dieser Legislaturperionde des Bundetages beschlossen werden.

Die zentralen Punkte des geplanten Gesetzes:

  • Inkrafttreten für Betriebe ab 3.000 Mitarbeiter ab 01.01.2023; für über 1.000 Mitarbeiter ab 01.01.2024

  • Vorgesehen ist ein gestuftes Verfahren, eine "abgestufte Verantwortung" für den Weg vom Endprodukt zurück zum Rohstoff, d.h.
    1) Risiken im eigenen Geschäftsbereich analysieren
    2) Die Reichweite der neuen Sorgfaltspflicht erfasst außerdem die unmittelbaren Zulieferer;
    3) Anlassbezogen werden mittelbare Zulieferer erfasst, d.h. nur in dem Fall, dass substantielle Hinweise auf Verstöße gegen die Menschenrechte in der Lieferkette vorliegen.

  • Für Kontrolle ist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) zuständig. Bei Nichteinhaltung der neuen Sorgfaltspflichten greifen Bußgelder. Die Höhe der Bußgelder wird aktuelle noch mit Justizministerium abgestimmt. In der PK wurden beispielhaft Bußgelder bis zu 10% des Umsatzes genannt (ähnlich wie beim Gesetz zur Unternehmensintegrität). Außerdem sollen Unternehmen bei erheblichen Verstößen für 3 Jahre von öffentlichen Aufträgen ausgeschlossen werden können.

  • Es gibt keine neue zivilrechtliche Klagemöglichkeit aus dem Ausland. Jedoch soll die bestehende Klagebefugnis ausgeweitet werden, d.h.es wird eine Prozessstandschaft für Nicht-Regierungs-Organisationen und Gewerkschaften eingeführt. Bei wichtigen Menschenrechtsverletzungen sollen deutsche Nicht-Regierungs-Organisationen und Gewerkschaften im Namen der Betroffenen mit Einverständnis der Betroffenen vor deutschen Gerichten klagen können.

Erste Bewertung:

  • Ein Unternehmen kann für sein eigenes Handeln haften, nicht aber für das Handeln seiner Geschäftspartner. Selbst mittelgroße Unternehmen haben oft tausende direkte Zulieferer. Die Verantwortung für deren Zulieferer und für alle vorherigen Produktionsschritte nachzuvollziehen, wird die Unternehmen mit einem gewaltigen Aufwand und Kosten belasten. Gleiches gilt für Unternehmen, die Dienstleistungen erbringen.

  • Auch wenn das Lieferkettengesetz im ersten Schritt ab 2023 nur auf größere Unternehmen ab 3.000 Mitarbeiter anwendbar sein soll, geben betroffene Unternehmen solche Anforderungen erfahrungsgemäß an alle Lieferanten – egal welcher Betriebsgröße – weiter.

  • Die wesentlichen Begriffe „Zulieferer“ und „mittelbare Zulieferer“ sind offene Rechtsbegriffe und nicht eindeutig definiert.

  • Kein nationaler Alleingang: Das deutsche Lieferkettengesetz darf deutsche Unternehmen im europäischen und internationalen Vergleich nicht benachteiligen. Die Bewertung der Bundesministerien, das ‚stärkste‘ Lieferkettengesetz in Europa auf den Weg zu bringen, läuft fehl. Vielmehr sollte die Bundesregierung die ohnehin geplante EU-Vorlage zum Lieferkettengesetz 1:1 in Deutschland umsetzen. Es braucht gleiche Spielregeln für eine starke Wirtschaft in Europa.

  • Juristische Risiken für Unternehmen ergeben sich aus der geplanten Prozessstandschaft für Dritte

  • Ausschluss von öffentlichen Aufträgen als Sanktion neben Zwangs- und Bußgeldern

Das neue Sorgfaltspflichtengesetz soll trotz der Parallelgesetzgebungsarbeiten auf EU-Ebene beschlossen werden. Das Gesetz ist nach Meinung der Bundesregierung notwendig, weil eine freiwillige Lösung auf der Grundlage des Nationalen Aktionsplan Menschenrechte (NAP) nicht erfolgreich war. 

Dieses Merkblatt informiert über zentrale Richtlinien und Standards im Bereich CSR. Es listet die wichtigsten internationalen Rahmenwerke sowie nationalen Strategien und Gesetze auf und gibt einen Überblick über die meist verbreitetsten Management- und Berichtsstandards. Neben einer kurzen Beschreibung zu den einzelnen Richtlinien und Standards enthält die Übersicht auch Links zu weiterführendem Informationsmaterial.

Merkblatt "Zentrale Richtlinien und Standards im Bereich CSR"

In Zulieferketten sind Haftungsrisiken komplex und können erhebliche Ausmaße annehmen. Wie können Unternehmen sicherstellen, dass Verhaltenskodex (Code of Conduct) und Standards auch in der Lieferkette verbindlich eingehalten werden? Wie können Risiken frühzeitig erkannt und vertraglich abgemildert werden? Die folgende Übersicht der IHK Nürnberg für Mittelfranken gibt Antworten auf diese und andere potentielle Fragen. 
Einzelheiten finden Sie hier

Weitere Informationen:
BIHK-Merkblatt "Verhaltenskodex für Lieferanten"