Belebung in Coburgs Wirtschaft trotz vieler Hemmnisse

IHK-Konjunkturumfrage – Herbst 2021

„In Coburgs Wirtschaft setzt sich der konjunkturelle Aufholprozess fort. Lieferengpässe bei Rohstoffen und Vorprodukten in Verbindung mit extremen Preissteigerungen und hohen Frachtraten verhindern allerdings ein stärkeres Wirtschaftswachstum. Hinzu kommt in einigen Branchen Fachkräftemangel“, kommentiert IHK-Präsident Friedrich Herdan die Ergebnisse der Konjunkturumfrage der IHK zu Coburg zum Herbst 2021.

Der IHK-Konjunkturklimaindikator, der als Stimmungswert sowohl die aktuelle Geschäftslage der Unternehmen als auch ihre Geschäftserwartungen abbildet, steigt um 20 Punkte auf jetzt 127 und liegt damit erstmals wieder über dem langjährigen Durchschnitt von 114. 

Aktuelle Geschäftslage im gesamten Bereich der IHK zu Coburg:

Über alle Branchen und Unternehmen hinweg bezeichnen 50 Prozent ihre wirtschaftliche Lage wieder als „gut“, mit „schlecht“ bewerten aktuell 13 Prozent der Unternehmen ihre Situation.

Erwartungen im gesamten Bereich der IHK zu Coburg:

Ein Drittel der Befragten geht in den kommenden Monaten von geschäftlicher Aufhellung aus, zugleich rechnen aber 14 Prozent der Betriebe mit Geschäftseintrübung. Grund zur Sorge für unsere Unternehmen sind die unkalkulierbaren Aussichten bzgl. des weiteren Pandemieverlauf, der Lieferschwierigkeiten bei Vorprodukten, z.B. Halbleiter, und der weiteren Entwicklung der zuletzt massiv verteuerten Energie- und Rohstoffpreise.

Mit Blick auf die laufenden Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl fordert IHK-Präsident Herdan von den Koalitionären „ein klares wirtschaftspolitisches Regierungsprogramm, das von Innovationsförderung und Technologieoffenheit, anstatt von Verboten und Planwirtschaft geprägt ist“.

„Die neue Bundesregierung steht vor der großen Aufgabe, umsetzbare, verlässliche Vorgaben zu formulieren, wie der infolge Klimaschutz, Mobilitäts- und Energiewende vorgegebene Strukturwandel erfolgreich gestaltet werden kann und wie es gelingt, die Digitalisierung auf einen der vorderen Plätze im globalen Wettbewerb vergleichbarer Wirtschaftsnationen voranzubringen. Weiteres dringend benötigtes Wirtschaftswachstum ließe sich insbesondere über Investitionsanreize im Steuerrecht und international wettbewerbsfähige Steuersätze setzen“, so Präsident Herdan abschließend.

Die Branchen im Einzelnen

Industrie gesamt

Aktuelle Lage: Coburgs stark exportabhängige Industrie arbeitet sich Schritt für Schritt aus dem Konjunkturtal des Frühjahrs 2020 heraus. Die aktuelle Geschäftslage wird von den Industrieunternehmen im Herbst das zweite Mal in Folge besser bewertet.

60 Prozent der Befragten berichten jedoch von „erheblicher Beeinträchtigung“ der Produktion und des Absatzes wegen Lieferengpässen bei Vorprodukten.

44 Prozent der befragten Betriebe beurteilen jedoch ihre Geschäftslage wieder als „gut“, 39 Prozent als „befriedigend“ und 17 Prozent der Produktionsunternehmen sind mit ihrer geschäftlichen Situation immer noch unzufrieden. Der Saldo aus positiven und negativen Lagebeurteilungen beträgt +27 Punkte (Vorumfrage +10 Punkte). Die Branche berichtet von einer höheren Auslastung der Kapazitäten, zudem nimmt die Nachfrage aus dem In- und Ausland zu.

Erwartungen: Mit Blick auf die Geschäftserwartungen der kommenden Monate bleibt die Branche zwar optimistisch, die Sorgen aufgrund des unvorhersehbaren Pandemieverlaufs im In- und Ausland, anhaltende Beschaffungsengpässe sowie Fachkräftemangel führen jedoch zu Unsicherheiten. Immerhin 76 Prozent der Industriebetriebe sehen in überhöhten Energie- und Rohstoffpreisen ein großes Risiko für die weitere Unternehmensentwicklung.

Besondere Industriebranchen:

Maschinenbau

Aktuelle Lage: Coburgs Maschinenbauer erleben eine gewisse Erholung aus leichtem Anstieg der In- und Auslandaufträge, letztere insbesondere aus Nord-Amerika. Die befragten Unternehmen bewerten ihren Auftragsbestand mehrheitlich vorsichtig als „ausreichend“. Der positive Trend wird aber beeinträchtigt durch Engpässe bei Zulieferungen sowie steigende Rohstoff- und Komponentenpreise.

Erwartungen: Trotz fortbestehender Hindernisse bei Vorlieferungen erhofft sich die Mehrheit unserer exportstarken Maschinenbauer für die kommenden Monate positive Akzente für ihre Geschäftstätigkeit. 

Automobilzulieferer und Vorleistungsgüterindustrie

Aktuelle Lage: Die heimischen Automobilzulieferer und Vorleistungsgüterproduzenten sind von den Lieferengpässen bei Halbleitern und Rohstoffen sowie dem Strukturwandel aufgrund der politisch vorgegebenen Transformation der Automobilbranche in besonderer Weise getroffen. Gravierende Behinderungen in der Produktion bis hin zu Werksschließungen bei den OEMs bestimmen das Ergebnis. Dementsprechend hat sich die aktuelle Lage der befragten Unternehmen wieder eingetrübt: Nur noch 45 Prozent berichten von guten Geschäften (Vorumfrage 56 Prozent), 15 Prozent sind absolut unzufrieden (Vorumfrage 11 Prozent).

Erwartungen: Für die kommenden Monate rechnet die Mehrheit der regionalen Branchenvertreter mit keiner nennenswerten Besserung. Dennoch soll in den kommenden Monaten mehr investiert werden, hier rücken Produktinnovationen und der Umweltschutz zunehmend in den Fokus.

(Polster-)Möbelindustrie

Aktuelle Lage: Nachholbedarf im Konsumbereich „Wohnen und Einrichten“ nach Wiederöffnung des Möbelhandels auf Grund Corona-bedingter Schließungen sorgte bei unseren heimischen Polstermöbelherstellern im bisherigen Jahresverlauf für gute Geschäfte. Gleichzeitig stellt die gestiegene Nachfrage die Branche vor große Herausforderungen. So bestehen bei vielen Vormaterialien, wie Holz, Schaumstoffen und Beschlägen, erhebliche Engpässe, aber auch Nachwuchs- und Fachkräftesorgen plagen die Branche.

Aktuell berichten aber 71 Prozent der befragten Unternehmer von noch guten Geschäften (Vorumfrage 27 Prozent), kein „Möbler“ ist derzeit unzufrieden.

Erwartungen: Die Aussicht auf die kommenden Monate ist bei den heimischen Betrieben von Zuversicht geprägt. 63 Prozent der befragten Branchenvertreter erhoffen mit Blick auf zunehmende Anschaffungen für „die eigenen vier Wände“ eine positive Geschäftsentwicklung.

Dienstleistung

Versicherungs- und Finanzgewerbe

Aktuelle Lage: Die Stimmung im regional starken Versicherungs- und Finanzgewerbe ist weiterhin sehr gut. Auch während der Corona-Pandemie kam es kaum zu Kredit- und Beitragsausfällen infolge von Einkommenseinbußen der Kreditkunden und Versicherungsnehmer. Die Unternehmen berichten von voller bzw. befriedigender Auslastung in den vergangenen sechs Monaten. Kein Unternehmen zeigt sich mit seiner aktuellen Geschäftslage „unzufrieden“.

Erwartungen: Auf die kommenden Monate blicken die Branchenvertreter vorsichtig optimistisch. 17 Prozent rechnen sogar mit einer weiteren Verbesserung der Geschäftslage. Unsicherheiten werden allenfalls in Belastungen durch unvorhersehbare Wetterschäden an Häusern, Hausrat, Betrieben und Kraftfahrzeugen gesehen.

Unternehmensnahes Dienstleistungsgewerbe

Aktuelle Lage: Coburgs unternehmensnahe Dienstleistungsbetriebe zeigen sich mit den laufenden Geschäften deutlich zufriedener. 50 Prozent bezeichnen ihre aktuelle Lage als „gut“, nur 8 Prozent als „schlecht“. Der Saldo aus positiven und negativen Lageurteilen klettert von nur 9 Punkten im Frühjahr auf nun 42 Punkte. Die Branchenvertreter berichten von steigenden Umsätzen und mehrheitlich befriedigender Auslastung.

Erwartungen: Etwas vorsichtiger blicken die Dienstleister auf die kommenden Monate, sie erwarten ein gemächlicheres Wachstumstempo: 33 Prozent der Betriebe rechnen mit einer positiven Geschäftsentwicklung, 22 Prozent aber erwarten Gegenteiliges.

Handel

Einzelhandel

Aktuelle Lage: Die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage der Coburger Einzelhändler zum Herbst fällt deutlich positiver aus. Das ist aber kein Grund zur Entwarnung. Der Anstieg per Saldo um 76 Punkte zur Vorumfrage ist vor dem Hintergrund des sehr niedrigen Ausgangsniveaus zu beurteilen. Weite Teile des Einzelhandels waren im Frühjahr noch vom Lockdown betroffen. Mit dem schrittweisen Wegfall angeordneter Beschränkungen konnten alle Händler ihren Geschäftsbetrieb wiederaufnehmen. Vom Normalzustand ist der Einzelhandel aber immer noch ein Stück entfernt. Aktuell bezeichnen aber dennoch 42 Prozent der Einzelhändler ihre Geschäftslage wieder als „gut“, 58 Prozent als „befriedigend“. Nahezu die Hälfte der befragten Unternehmer spricht aber von Warenbeständen „größer als saisonüblich“.

Erwartungen: In der Hoffnung, dass die Politik ihr Versprechen hält und keinen weiteren Lockdown verhängt, haben sich die Geschäftserwartungen der Einzelhändler im Kammerbezirk Coburg zwar deutlich aufgehellt, fallen aber längst nicht euphorisch aus.

Großhandel

Aktuelle Lage: Der regionale Großhandel profitiert von der verbesserten Lage seiner Kunden in Einzelhandel, Gastronomie, Teilen der Industrie und des Gewerbes.  So berichten die Grossisten von verbesserten Geschäftsverläufen im Vergleich zur Vorumfrage. 56 Prozent der Betriebe bewerten die aktuelle Lage als „gut“, 11 Prozent sind aber noch unzufrieden.

Erwartungen: Auf die kommenden Monate schauen die Grossisten mit vorsichtigem Optimismus. Zwar erwarten 44 Prozent der befragten Unternehmen geschäftliche Aufhellungen, ein Drittel kann sich aber auch rückläufige Entwicklungen vorstellen.

Tourismus, Hotel und Gaststätten

Aktuelle Lage: Die Lockerungen der Corona-Pandemiemaßnahmen im Hotel- und Gastgewerbe haben in der Branche für eine gewisse Erholung gesorgt. Eine Rückkehr zur Normalität kann aber nicht vermeldet werden. Zu groß waren die Umsatzeinbußen während des Lockdowns, zudem fehlen Umsätze aus Veranstaltungen/Familienfeiern und Geschäftsreisen. Darüber hinaus bereitet der Fachkräftemangel den Betrieben große Sogen. Viele Arbeitskräfte sind in sieben Monate langen Betriebsschließungen in andere Jobs gewechselt. Aktuell beurteilt die Hälfte der Unternehmen ihre Geschäftslage jedoch wieder als „gut“, 13 Prozent bleiben unzufrieden.

Erwartungen: Für die kommenden Monate erwartet die Mehrheit der Branchenvertreter eine Seitwärtsbewegung der Geschäftsentwicklung. Die Sorge vor einer vierten Corona-Welle mit erneuten Restriktionen ist in dieser Branche weiterhin präsent.