125 Jahre IHK zu Coburg

Fotos: Sebastian Buff


TV-Produktion und Jubiläumsfilme

Im Rahmen unseres Jubiläums haben wir neben einem Jubiläumsfilm auch eine TV-Sendung mit TV Oberfranken produziert. Unterstützt wurde diese freundlicherweise durch Medienkraft Verstärker GmbH, iTV Coburg sowie durch das Landestheater Coburg.

Unseren medialen Event finden Sie hier.


Erste Adresse für die Coburger Wirtschaft – seit 125 Jahren

Eine legendäre Rede führte zur Gründung der IHK zu Coburg im Jahr 1896

 

„Wie lange noch willst Du säumen, Land Coburg, eine Handels- und Gewerbekammer zu haben?

Wie lange soll es noch dauern, bis Handel und Gewerbe mündig werden?

Wie lange noch sollen Handel und Gewerbe entbehren ein officielles Ohr,

zu hören die mahnenden Stimmen der Zeit, und eine officielle Zunge,

zu antworten auf die tiefeinschneidenden Fragen der Zeit?“


Diese aufrüttelnden Worte stammen aus der flammenden Rede von Prof. Alexander Schmidt vom 1. Dezember 1890. Vor großem, hochrangig besetztem Publikum aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft prangerte der damalige Vorsitzende des Coburger Gewerbevereins die Versäumnisse im Wirtschaftsraum Coburg an. Sein Vortrag rüttelte auf und war letztlich der auslösende Impuls zur Errichtung der Coburger Handelskammer. Diesen historischen Hintergrund – den „Gründungsmythos“ um die Coburger Kammer – hat der international renommierte Historiker Prof. Gert Melville im Vorfeld unseres 125-jährigen IHK-Jubiläums höchst informativ herausgearbeitet und in seinem Fachartikel für unsere Festschrift spannend-unterhaltsam dargelegt. Zwar gab es schon 1824 mit dem genannten Gewerbeverein einen Vorläufer zur Coburger Kammer, dieser blieb aber in seiner Bedeutung unterhalb institutioneller Wirtschaftsvertretungen. Damit drohte Coburg eine gewisse Rückständigkeit gegenüber damals moderneren Wirtschaftsorganisationen.

Auf Initiative des Staatsministeriums des Herzogtums Sachsen-Coburg und Gotha holte man 1880 erste Informationen über Tätigkeitsbereiche und Strukturen von Wirtschaftskammern ein, aber die Angelegenheit verlief wieder im Sande. Bis zu jenem 1. Dezember 1890, als Prof. Alexander Schmidt mit seinen Ausführungen eine breite Mehrheit von der absoluten Notwendigkeit einer Coburger Handels- und Gewerbekammer als legitimiertes Organ für die Wirtschaft überzeugte. Seine Fakten und Argumente fanden nicht nur bei den Versammelten Gehör, sondern auch bei allen einschlägigen staatlichen Gremien, wie dem Staatsministerium, und nicht zuletzt beim Coburger Herzog. Professor Schmidt betonte die Bedeutung der Kammer als Eckpfeiler für das Zusammentreffen von Staat und Wirtschaft, den Austausch von Informationen und die Interessenvertretung für Unternehmen. Aus der Vielzahl an positiven Effekten, die eine Kammer mit sich bringe und die der Coburger Wirtschaft bislang entgingen, zog er den Schluss: „Dann gibt es nur den einen Weg, eine Handels- und Gewerbekammer zu schaffen.“

 

Gründungsdatum: 18. März 1896

Von da an gab es kein Zurück mehr: Während vorher die Kammergründung eher halbherzig verfolgt wurde, entstand unter Herzog Alfred das „Gesetz die Errichtung einer Handelskammer für das Herzogthum Coburg betreffend“ und am 18. März 1896 trat die erste Vollversammlung zusammen. Dieser Tag gilt als das Gründungsdatum der Industrie- und Handelskammer zu Coburg, die unmittelbar ihre Arbeit als Interessenvertretung der Wirtschaft und Treiber der regionalen Entwicklung aufnahm. Die Gründung der Coburger Handelskammer war ein bedeutender Schritt, weil damit endlich eine handlungsfähige Organisation der wirtschaftlichen Selbstverwaltung in Eigenverantwortung entstand. Die Coburger Wirtschaft wurde mit dieser Interessenvertretung also tatsächlich „mündig“. Zugleich begann damit die koordinierte, in staatliche Strukturen eingebundene Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Coburg.

Wirtschaftsnah und innovativ

Von Beginn an war unsere IHK nicht nur Wirtschaftskammer, sondern Herzkammer des Coburger Standortes. Der erste Kammerpräsident Albert Rose und Hauptgeschäftsführer Karl Hirsch formulierten in ihrem ersten Jahresbericht die Hoffnung, „dass der Handelskammer beschieden sein möge, sich im Laufe der Jahre gedeihlich zu entwickeln und eine für Handel und Industrie, Gewerbe und Verkehr und deren Bedürfnisse nach jeder Richtung ersprießliche Tätigkeit zu entfalten“. Diese Leitlinie haben seit 125 Jahren IHK-Vollversammlungen, Führungspersönlichkeiten sowie Mitarbeiter als Verpflichtung verstanden und sich daran ausgerichtet: Wirtschaftsnah und innovativ.

 

Vereinigung mit Bayern

Schon wenige Jahre nach ihrer Gründung war die damalige Handelskammer in politisch wie auch wirtschaftlich turbulenten Zeiten voll gefordert, als es nach fürchterlichen Kriegsjahren 1914 bis 1918 um die Anschlussentscheidung des damaligen Freistaates Coburg an den großen Freistaat Bayern oder an Thüringen ging. Der Freistaat Coburg entstand aus dem Herzogtum Sachsen-Coburg und existierte schon ob seiner Größe nur von November 1918 bis zu seiner Vereinigung mit Bayern. Es waren insbesondere Vertreter der Wirtschaft – wie beispielsweise Kammerpräsident Georg Gagel und der Neustadter Unternehmer Max Oskar Arnold –, die sich für den Anschluss an Bayern sehr starkmachten. Es gelang, eine breite pro-bayerische Stimmung nicht nur in der Wirtschaft, sondern in der gesamten Bevölkerung besonders durch Aussicht auf Kompensationen für den Verlust der Eigenständigkeit und kluge personalpolitische Weichenstellungen auszulösen. Bei der Volksabstimmung am 30. November 1919 wurde die Frage gestellt, „ob Coburg dem Gemeinschaftsvertrag der Thüringischen Staaten nebst Nachtrag beitreten solle“? Die überwältigende Mehrheit (ca. 87 %) votierte, wie von den Protagonisten sehnlichst gehofft, mit „Nein“ und sprach sich damit für den Beitritt zu Bayern aus. Insofern ist die landläufige Bezeichnung, die Coburger für sich als „einzige freiwillige Bayern“ in Anspruch nehmen, sicher zutreffend.

Am 1. Juli 1920 schloss sich Coburg offiziell dem Freistaat Bayern an. Damit erhielt das Gebiet des früheren Herzogtums bayerische Rechts- und Verwaltungsstrukturen, wobei der Freistaat Bayern sehr wohl den Vorteil schon damals vorhandener, regional geordneter Strukturen erkannte, die sich die Coburger Wirtschaft mit ihrer Handelskammer gegeben hatte. Seitdem hat sich unser Wirtschaftsraum par excellance entwickelt hin zu Spitzenpositionen, die wir in den Branchen Maschinenbau, Automobiltechnik, Versicherungswirtschaft und Dienstleistung im bayerischen Vergleich einnehmen.

 

Es geht ums Gesamtinteresse der gewerblichen Wirtschaft

Der strategische Gedanke hinter der IHK als Selbstverwaltungsorganisation der Wirtschaft fußt auf der Erkenntnis, dass die Wirtschaft ihre eigenen Anliegen selbst am besten kennt und lösen kann. Heute gibt es in Deutschland 79 Industrie- und Handelskammern, es sind Körperschaften des öffentlichen Rechts, denen Gewerbetreibende und Unternehmer angehören, mit Ausnahme von landwirtschaftlichen und Handwerksbetrieben sowie Freiberuflern. Die Mitgliedschaft per Gesetz, die wiederholt vom Bundesverfassungsgericht bestätigt wurde, dient der Unabhängigkeit der IHK und sichert deren Finanzierung.

 

Die IHKs, ein starkes Netzwerk

Die IHKs sind im Deutschen Industrie- und Handelskammertag e.V. (DIHK) zusammengeschlossen. Die gemeinsame Spitzenorganisation vertritt die Interessen der gewerblichen Wirtschaft auf Bundesebene gegenüber Bundesregierung und Bundestag ebenso wie gegenüber den Gremien auf EU- und internationaler Ebene. Außerdem betreut der DIHK das Netz der Auslandshandelskammern (AHK) an 140 Standorten weltweit. Der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) ist die Dachorganisation der neun bayerischen IHKs.

 

Interessenvertreter und Dienstleister

Die IHK zu Coburg vertritt die Interessen von 8.300 Mitgliedsunternehmen in Stadt und Landkreis, als Vor-Ort-Kammer im Wortsinn genießen wir in der bayerischen IHK-Flächenkammer-Landschaft allerdings ein wertvolles Alleinstellungsmerkmal. Dem Faktor Dienstleistung kommt bei uns höchste Bedeutung zu. So stehen wir im engen, individuellen Austausch mit unseren Betrieben und wissen, was unsere Wirtschaft im Innersten bewegt. Entsprechend erhalten unsere Mitgliedsunternehmen besonders individuelle Betreuung bei der Qualifikation von Fachkräften, Beratung in Fragen zur Außenwirtschaft, zu Energie- und Umweltschutzthemen sowie zu Recht und Steuern und in mancherlei Krisenphasen.

Auf den Punkt gebracht: Die Industrie- und Handelskammer zu Coburg ist sowohl Interessenvertreter als auch Dienstleister der gewerblichen Wirtschaft und hat dabei ein Ziel im Fokus – den nachhaltigen Erfolg unserer Coburger Betriebe. Dabei gehören Selbstverwaltung und gemeinnütziges Engagement zusammen: Derzeit sind es rund 1.000 Vertreter der regionalen Wirtschaft – Unternehmer und Führungskräfte –, die die Arbeit ihrer IHK zu Coburg ehrenamtlich unterstützen, beispielsweise in Fachgremien, Arbeitskreisen, Prüfungsausschüssen sowie als gewählte Mitglieder der IHK-Vollversammlung. In diesem Gremium eröffnen sich Möglichkeiten, im demokratischen Prozess Standortbedingungen mitzugestalten, neue Ideen zur Effizienzsteigerung der wirtschaftlichen Abläufe in unserem Wirtschaftsraum zu entwickeln und umzusetzen und damit einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten – also gelebtes Unternehmertum nach dem Leitbild des Ehrbaren Kaufmanns! 32 Vollversammlungsmitglieder bestimmen die Grundsatzpositionen der IHK-Politik, wählen aus ihrer Mitte den Präsidenten und das Präsidium, bestellen den Hauptgeschäftsführer, beschließen den Wirtschaftsplan sowie IHK-Beiträge und Gebühren. Zudem ist die Vollversammlung offizielles Sprachrohr der Wirtschaft gegenüber Politik und Verwaltung. In der Zusammensetzung ihrer gewählten Mitglieder ist die Vollversammlung das Spiegelbild der Branchenstruktur im Coburger IHK-Bezirk und repräsentiert damit die regionale Wirtschaft.

 

Fachkräfte im Fokus

In der Geschichte der IHK hat die Berufsbildung von Anfang an große Bedeutung, berufliche Aus- und Weiterbildung ist eine unserer Kernaufgaben. Das duale Bildungssystem mit traditionell stark ausgeprägter Partnerschaft zwischen IHK-Ausbildungsbetrieben und Berufsschulen, zeigt seit Jahrzehnten außerordentliche Erfolge. Durch sehr individuelle Einbindung unserer Unternehmen wird sichergestellt, dass Ausbildungsinhalte einfließen, die besonders in Zeiten der Digitalisierung, Einsatz virtueller Techniken oder im Dialog Mensch-Maschine, für den betrieblichen Alltag entscheidend sind. Und so kommt es, dass unsere Auszubildenden regelmäßig unter den Besten ihres Jahrgangs sind, und zwar auf Landes- und sogar auf Bundesebene!

Gleichzeitig zur Kernaufgabe der dualen Bildung wird die IHK zu Coburg ihre Projekte, wie beispielsweise das „Kompetenzzentrum für Maschinen- Anlagenbau und Automotive“ für Nordbayern, sowie verschiedenste Digitalisierungsinitiativen vorantreiben. Sehr erfolgreich hat sich auch die Fachschule für Maschinenbautechnik entwickelt, die auf IHK-Initiative im Jahr 2012 den Lehrbetrieb aufnehmen konnte. Bei der perspektivischen Nutzung von Potenzialen des regionalen Arbeitsmarktes sind nicht zuletzt auch Flüchtlinge mit Bleibeperspektive im Fokus. Mit unserem Kombimodell „1+3“ wurde im Wirtschaftsraum Coburg ein erfolgreiches Projekt umgesetzt, das bundesweit Beachtung fi ndet und 2017 mit dem Integrationspreis der Regierung von Oberfranken ausgezeichnet wurde.

 

Verbesserungen in der Infrastruktur

Mit hoher Priorität steht der bedarfsgerechte Ausbau unserer Verkehrsinfrastruktur auf der Agenda, sichtbarste Erfolge sind sicher die Freigabe der A 73 im September 2008 und der Direktanschluss Coburgs ans ICE-Fernverkehrsschienennetz seit Dezember 2017 mit heute immerhin acht Halten pro Tag. Um das ICE-Angebot zu sichern und weiter auszubauen, bleibt es bei der Forderung nach Schließung der Schienenlücke zu Südthüringen und bestmöglicher Vertaktung im Schienenfern(ICE)-und -nahverkehr. Der Lückenschluss ist ein wichtiger Baustein, um zusätzliches Fahrgastpotenzial zu erschließen und eine zweistündliche ICE-Anbindung am Coburger Bahnhof durchzusetzen.

30 Jahre nach der Wiedervereinigung ist es glücklicherweise gelebte Realität: Die Regionen Coburg und Südthüringen wachsen mehr und mehr zu einem gemeinsamen Wirtschaftsraum zusammen. Die Zusammenarbeit mit unseren Partnern in Südthüringen hat deutlich an Fahrt gewonnen, viele Coburger Unternehmen haben Standbeine in angrenzenden Landkreisen. Auch Südthüringen hat sich positiv entwickelt und es zeigt sich, dass wirtschaftliche Rahmenbedingungen in unserer globalisierten Welt nicht mehr entlang landespolitischer Grenzen zu definieren sind.

 

Zukunftsraum Coburg

Damit unser Technologiestandort seine Vorreiterrolle erhält und ausbaut, gilt es, den Wandel verantwortungsvoll zu gestalten. Dabei hat sich das Prinzip wirtschaftlicher Selbstverwaltung durch die Industrie- und Handelskammern bewährt und gilt weltweit als Vorbild. Nur verantwortliches Handeln nach dem Leitbild des Ehrbaren Kaufmanns wird es ermöglichen, ökologische Vorgaben mit den ökonomischen Chancen in Einklang zu bringen. Deshalb braucht es neben unternehmerischem Engagement vor allem auch eine starke IHK-Organisation.

Das 125-jährige Jubiläum hätten wir gern wie vorgesehen im festlichen Ambiente gefeiert, Ministerpräsident Dr. Markus Söder und weitere hochrangige Gäste hatten bereits ihr Kommen zugesagt. Aufgrund der aktuellen Pandemielage wurde jedoch entschieden, den Festakt nicht als Präsenzveranstaltung stattfinden zu lassen. Auch wenn die derzeitige Infektionslage sich etwas zu entspannen scheint, erscheinen die Risiken doch zu groß. Zudem entspricht es nicht unserem Selbstverständnis als Interessenvertreter der gewerblichen Coburger Wirtschaft, ein Fest zu feiern, während unsere Unternehmen mitten in einer historischen Wirtschaftskrise vor teils existenzbedrohenden Problemen stehen. Dennoch soll dem stolzen Jubiläum der IHK zu Coburg ein würdiger Rahmen verliehen sein. Dazu wurde eine TV-Produktion erstellt, die in der Mediathek von TV Oberfranken und auf der IHK-Homepage (www.coburg.ihk.de) zu sehen ist: mit Interviews, Zuspielern und musikalischer Umrahmung. Außerdem wurde eine informative, umfangreiche Festschrift gestaltet, die bei der IHK zu Coburg erhältlich ist.


 

Das Palais am Schlossplatz diente Alfred, Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha, etliche Jahre als Wohnsitz. Alfred trug als zweitgeborener Sohn von Queen Victoria und Albert von Sachsen-Coburg und Gotha auch den Adelstitel Duke of Edinburgh. Deshalb ist das Gebäude, das seit seinem Kauf durch die IHK zu Coburg 1939 deren Sitz ist, auch als Palais Edinburg bekannt.

 

Professor Alexander Schmidt (1833-1901)

 

Mit Eröffnung der Hochgeschwindigkeitsstrecke Nürnberg – Erfurt im Dezember 2017 wurde auch der Bahnhof Coburg an das ICE-Netz angebunden. Die Fahrgastzahlen bestätigten schon bald die Prognosen aus dem von der IHK beauftragten Gutachten und übertrafen die Erwartungen der Deutschen Bahn.

 

Die Freigabe der A 73 im Jahr 2008 war ein großes gesellschaftliches Ereignis. Durch die Nord-Süd-Autobahnverbindung von Erfurt nach Nürnberg wurden Entwicklungsbarrieren in den ehemaligen Grenzregionen abgebaut und damit Grundlagen für Ansiedlung von Gewerbe entlang der Trasse geschaffen.

 

Foto-Quellen: IHK zu Coburg