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IHK-Konjunkturumfrage Frühjahr 2018

Coburgs Konjunktur bleibt robust

„Coburgs Wirtschaft befindet sich weiter in solider Verfassung. Die Industriedynamik lässt jedoch etwas nach, wenn auch die Abflachung der Indikatoren noch kein Anlass zur Sorge bereitet. Neben dem derzeitigen Handelskonflikt zwischen Europa und den USA um gegenseitige Schutzzölle trüben insbesondere hohe Tarifabschlüsse in Teilen der Industrie sowie der relativ starke Euro die Exporterwartungen der Coburger Unternehmen", kommentiert IHK-Präsident Friedrich Herdan die aktuelle Konjunkturumfrage der IHK zu Coburg.

Aktuell bewerten branchenübergreifend 91 Prozent der heimischen Betriebe die derzeitige Geschäftslage als „gut" oder „befriedigend"; 9 Prozent sind unzufrieden. Im Vergleich zum Jahresbeginn ist der Saldo aus positiven und negativen Bewertungen hier um
6 Zähler auf 44 Punkte weiter angestiegen. Der Blick auf die kommenden Monate hingegen fällt mit einem Erwartungssaldo von 19 Punkten verhaltener aus (5 Punkte weniger als bei der Vorumfrage). Der Konjunkturklimaindex bleibt gegenüber der Vorumfrage konstant bei 131 Punkten; er setzt sich aus den Bewertungen der Unternehmen zur Geschäftslage und den Erwartungen für die kommenden Monate zusammen.

„Um eine Eskalation des Handelskonflikts und in Folge eine globale Konjunkturabkühlung zu vermeiden, muss der drohende Wettstreit um Zölle und andere Handelsschranken ein Ende finden. Bundesregierung und EU sind gefordert, sich mit Nachdruck für ein System verbindlicher globaler Handelsregeln einzusetzen und folglich auch für die Stärkung der Welthandelsorganisation WTO", so Herdan.

Um den derzeitigen Aufschwung bei den Mitgliedsunternehmen zu verstetigen, fordert Herdan, die im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD vereinbarten wirtschaftsfreundlichen Maßnahmen zügig umzusetzen. Am wichtigsten sind Herdan: die Offensive für Bildung und Gründungskultur, die Aufholziele bei Infrastruktur und Digitalisierung, das Einwanderungsgesetz für Fachkräfte „sowie erkennbare Anreize steuerlicher Forschungsförderung".

 

Die Branchen im Einzelnen


Industrie
Aktuelle Lage: Coburgs Industrie hat im Vergleich zur Vorumfrage etwas an Schwung verloren, bleibt aber in der Grundtendenz weiter auf Wachstumskurs. Die Auftragseingänge haben sich in den letzten Monaten leicht rückläufig entwickelt. Angesichts des noch hohen Auftragsbestandes wird aber immer noch von einer guten Kapazitätsauslastung berichtet, 82 Prozent der Betriebe zeigen sich hier zufrieden. Folglich bezeichnen derzeit noch 42 Prozent der Industrieunternehmen ihre gegenwärtige Geschäftslage als gut und 48 Prozent schätzen ihre Situation als befriedigend ein. 10 Prozent der Industriebetriebe klagen über schlechte Geschäfte.

Erwartungen: Bei den geschäftlichen Prognosen für die kommenden Monate herrscht unter den regionalen Industrievertretern trotz wachsender Gefahr einer von den USA ausgelösten Protektionismusspirale noch Zuversicht, wenngleich die Optimisten gegenüber den Pessimisten deutlich weniger werden. Knapp ein Viertel erwarten einen günstigeren Geschäftsverlauf, 16 Prozent rechnen dagegen mit einer Eintrübung.
Zunehmend bremsend für die Geschäftsentwicklung wirkt sich weiterhin der Fachkräfteengpass aus, der auch die Arbeitskosten steigen lässt: 56 Prozent der Befragten sehen darin ein Geschäftsrisiko.

 

Maschinenbau
Aktuelle Lage: Dank leicht gestiegener Auftragseingänge insbesondere aus der Euro-Zone und erfreulicher Weise auch wieder aus Russland und damit voller bzw. befriedigender Kapazitätsauslastung sind die Coburger Maschinenbauer mit ihrer aktuellen Situation mehrheitlich zufrieden.

Erwartungen: In den Folgemonaten rechnet der Großteil der regionalen Maschinenbauer mit konstantem bzw. wachsendem Auftragsvolumen, gerade aus Nordamerika. Infolgedessen nimmt sowohl die Investitionsneigung als auch die Beschäftigungsneigung bei den Unternehmern moderat zu.

 

Automobilzulieferer und Vorleistungsgüterindustrie

Aktuelle Lage: Die Nachfrage nach Erzeugnissen der heimischen Vorleistungsgüter-produzenten ist nach wie vor erfreulich hoch. 95 Prozent der Unternehmen berichten von guten oder befriedigenden Geschäften. Allerdings hat sich der Geschäftslagensaldo gegenüber der Vorumfrage um -6 Punkte verschlechtert, er liegt aktuell bei einem Wert von +32 Punkten. Die Auftragseingänge aus dem In- und Ausland haben sich in den letzten Monaten überwiegend seitwärts entwickelt. Dennoch sind die Kapazitäten bei 83 Prozent der Unternehmen gut oder befriedigend ausgelastet.

Erwartungen: Die Aussichten auf die kommenden Monate sind vorsichtig optimistisch: 25 Prozent der Betriebe rechnen mit einer Verbesserung, 69 Prozent mit einer unveränderten Entwicklung. Erwartet wird, dass die Nachfrage aus dem Inland leicht anzieht, während eine Belebung des Auslandsgeschäftes, insbesondere mit der Eurozone und Nordamerika, einsetzt.

 

(Polster-)Möbelindustrie
Aktuelle Lage: Leicht stabilisiert hat sich das Stimmungsbild unter Coburgs Verbrauchsgüterproduzenten. Dank moderat gestiegener Aufträge sind wieder 72 Prozent der regionalen Möbler mit ihren Geschäften zufrieden. Mehr als drei Viertel der Betriebe berichten von voller bzw. befriedigender Kapazitätsauslastung.

Erwartungen: Der Blick der Branche in die Zukunft fällt jedoch wieder deutlich verhaltener aus. 44 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung der Geschäftslage in den kommenden Monaten. Sorgen bereitet den Befragten der zunehmend hohe Wettbewerbs- und Preisdruck durch die Einkaufsverbände sowie der Mangel an Nachwuchs und Fachkräften.

 

Dienstleistung

Aktuelle Lage: Das regional sehr starke Versicherungs- und Finanzgewerbe meldet weiterhin sehr gute Geschäfte. Alle Unternehmen sind voll bzw. befriedigend ausgelastet. Die Hälfte der befragten Branchenvertreter konnte seinen Inlandsumsatz nochmals verbessern.

Erwartungen: Für die kommenden Monate rechnen 43 Prozent der Branchenvertreter mit einer nochmaligen Verbesserung ihrer Geschäftslage.

Aktuelle Lage: Auch die personenbezogenen und unternehmensnahen Dienstleister sind höchst zufrieden: 77 Prozent von ihnen melden eine gute Geschäftslage, weitere 23 Prozent berichten von befriedigenden Geschäften. Diese profitieren von der hohen Konsumbereitschaft der Bevölkerung und der starken Konjunkturentwicklung in anderen Branchen.

Erwartungen: Auch für die kommenden Monate sind die Aussichten für Coburgs Dienstleister günstig: 87 Prozent der Befragten rechnen mit steigenden oder stabilen Umsätzen, die hohe Auslastung der vergangenen Monate könnte noch zunehmen.

 

Handel

Einzelhandel
Aktuelle Lage: Die Stimmungslage im Coburger Einzelhandel hat sich im Vergleich zur Vorumfrage deutlich eingetrübt. Das anhaltend günstige Konsumumfeld auf Grund eines gesamtwirtschaftlichen Beschäftigungsaufbaus und steigender Löhne zeigt sich nicht in den Einzelhandelsumsätzen. Aktuell bezeichnen nur 14 Prozent der Einzelhändler ihre Geschäftslage als gut. 57 Prozent bewerten die Situation als zufriedenstellend und 29 Prozent sehen Grund zur Klage.

Erwartungen: Auch die Aussichten auf die kommenden Monate stimmen die Einzelhändler wenig zuversichtlich. Die Mehrheit der Befragten geht von gleichbleibenden Geschäften in den kommenden Monaten aus. Die aufgekommene Verunsicherung durch den Handelskonflikt mit den USA und die unsichere geopolitische Lage könnte sich auch auf die Konsumneigung der Verbraucher auswirken, sollte nicht schnell eine Lösung gefunden werden.
Vor allem zunehmender Protektionismus im internationalen Handel würde die exportorientierte Coburger Wirtschaft wie auch die Exportnation Deutschland insgesamt treffen, die Angst vor Jobverlust und damit auch die Kaufzurückhaltung weiter steigen lassen.

 

Großhandel
Aktuelle Lage: Coburgs Großhandel profitiert vom derzeit hohen Warenverkehr zwischen den Unternehmen. Die Geschäfte laufen auf hohem Niveau: Mit „gut" bewerten 56 Prozent der Grossisten ihre aktuelle Geschäftslage, unzufrieden sind nur 11 Prozent. Besonders positiv entwickelt sich der Umsatz im Inland, hier profitieren die Großhändler im IHK-Bezirk erneut von der starken Binnenwirtschaft.

Erwartungen: Die Einschätzung der künftigen Geschäftsentwicklung ist jedoch von Skepsis geprägt: Inzwischen rechnen 22 Prozent mit einer Eintrübung der Geschäftslage in den kommenden Monaten (+ 22 Punkte im Vergleich zur Vorumfrage).

 

Tourismus

Aktuelle Lage: Weiterhin positiv äußern sich die regionalen Beherbergungs- und Gastronomieunternehmen. Mit 52 Prozent berichtet mehr als jedes zweite Unternehmen von einer guten Geschäftslage, nur 9 Prozent sind unzufrieden. Insbesondere Geschäfts- und Urlaubsreisende führen zu steigenden Umsätzen und hoher Auslastung der Betriebe: Sechs von zehn Tourismusbetrieben im Kammerbezirk Coburg sprechen von einer guten Auslastung, 18 Prozent berichten Gegenteiliges.

Erwartungen: Für die kommenden Monate zeigt sich Coburgs Tourismusbranche optimistisch. 57 Prozent der Betriebe rechnen damit, dass sich die gute Geschäftslage nochmals verbessern wird.