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Regionale Wirtschaft startet vorsichtig optimistisch ins neue Jahr

„Nach einem schwierigen Jahresverlauf in 2019 keimt bei unseren Unternehmen im Wirtschaftsraum Coburg allmählich die Hoffnung auf eine konjunkturelle Stabilisierungsphase. Von einer generellen Trendwende kann allerdings nicht gesprochen werden", kommentiert Präsident Friedrich Herdan die Konjunkturumfrage der IHK zu Coburg zum Jahresbeginn 2020.

Aktuelle Geschäftslage:

Statistisch zeichnet sich über alle Branchen hinweg eine Seitwärtsbewegung in der Beurteilung der „aktuellen Geschäftstätigkeit" ab. Die Mehrheit der befragten Firmen bewertet ihre aktuelle Lage als zufriedenstellend. 41 Prozent der Betriebe als „gut" und 43 Prozent immerhin noch als „befriedigend", 16 Prozent allerdings bewerten ihre Situation als „schlecht".
Die Lage in der Industrie ist gekennzeichnet von Auslastungsrückgängen, insbesondere bei unseren Maschinenbauern und in der Automobilindustrie. Die Kapazitätsauslastung aus Inlandsaufträgen macht den Firmen Sorgen, wohingegen Exportaufträge aus Nordamerika und China zu einer gewissen Kompensation beigetragen haben, so dass in der Summe die Beschäftigung noch als einigermaßen zufriedenstellend gekennzeichnet wird.

Die Abkühlung der Weltkonjunktur – verursacht durch globale Handelskonflikte, geopolitische Spannungen und den Brexit, sowie die politisch geprägte und mediale Debatte über neue Antriebssysteme, Mobilität und das Klima – zwingen die Firmen zu einer rasanten Veränderung ihrer Geschäftsmodelle und -produkte. Unklar ist, wie die globalen Absatzmärkte auf die neuen Produkte aus deutscher Provenienz reagieren.

Erwartete Geschäftslage:

Die Erwartungen unserer Unternehmen in den nächsten Monaten werden sehr differenziert eingeschätzt. Während die Industrie, als wesentliche Branche unserer Region, die Zukunft sehr verhalten beurteilt, sind in der Dienstleistung sowie im Handel die Einschätzungen optimistischer.
Entsprechend hat sich die Einschätzung der „erwarteten Geschäftslage" über alle Branchen per Saldo um +8 Punkte im Vergleich zur Vorumfrage verbessert.

IHK-Konjunkturklimaindikator:

Die kumulierte Bewertung der Aussagen unserer Unternehmen zur „aktuellen und der zu erwartenden Geschäftslage" hat sich nach 1 1/2 Jahren andauernden Rückgangs erstmals wieder stabilisiert, so dass der IHK-Konjunkturklimaindikator sogar um einen Punkt auf 110 gestiegen ist. „Daraus resultiert eine vorsichtig optimistische Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung in 2020", so Präsident Herdan.

„Die Teileinigung im Handelsstreit zwischen den USA und China sowie nachlassende Brexit-Sorgen nähren zusätzlich die Hoffnung, dass die Weltwirtschaft in diesem Jahr wieder in Schwung kommt und unsere exportorientierten Schlüsselindustrien im Wirtschaftsraum Coburg davon profitieren können. Von Seiten der Politik fehlen jedoch weiterhin Leistungs- und Investitionsanreize für die heimische Wirtschaft, wie: international wettbewerbsfähige Unternehmenssteuern, die längst überfällige Abschaffung des Solidaritätszuschlags für alle Unternehmen, durchschlagende Förderung von Forschung, Entwicklung und Innovationen sowie international wettbewerbsfähige Energiepreise. Nur so lassen sich die herausfordernden Themen des Strukturwandels, wie: Digitalisierung, Energiewende und Klimawandel bewältigen. Leider werden fiskalische Spielräume aktuell immer noch überwiegend für immer neue Sozialleistungen genutzt", betont IHK-Präsident Herdan.

Die Branchen im Einzelnen

Industrie gesamt

Aktuelle Lage: Handelsstreitigkeiten und Zölle, geopolitische Konflikte, eine weltweit schwache Produktion im Verarbeitenden Gewerbe sowie die Energie- und Mobilitätswende hinterlassen weiter Spuren. Coburgs exportorientierte Industrie befindet sich daher zu Jahresbeginn noch immer in einer konjunkturellen Schwächephase. Allerdings ist die „aktuelle Geschäftslage" im Vergleich zu den beiden vorangegangenen Umfragen weniger stark eingetrübt. Hauptgründe sind Auftragseingänge aus dem Ausland, die die rückläufige Inlandsnachfrage teilweise kompensiert haben. So steigt die Auslastung gegenüber der Vorumfrage um 18 Punkte. 33 Prozent der Betriebe bezeichnen ihre Lage als „gut", 19 Prozent sind „unzufrieden".

Erwartungen: Die Beurteilungen der Industriefirmen zur „erwarteten Geschäftslage" in den nächsten Monaten bleiben per Saldo im negativen Bereich. Allerdings hat sich die negative Einschätzung gegenüber der Vorumfrage auf -13 Punkte relativiert.

Industrie im Einzelnen:

Maschinenbau

Aktuelle Lage: Die Stimmung im stark exportabhängigen Maschinenbau bleibt zu Jahresbeginn gedämpft. Das Inlandsgeschäft gibt weiterhin Anlass zur Sorge, wohingegen Aufträge aus Nord-Amerika und China für Auslastungskompensation sorgen. Die Kapazitätsauslastung bleibt bei 75 Prozent auf zufriedenstellendem Niveau.

Erwartungen: Auch in den kommenden Monaten wird es mit verhaltener Dynamik weitergehen. Die Unternehmen rechnen nicht damit, dass der Auftragseingang unmittelbar wieder anzieht. Dies spiegeln die Geschäftserwartungen wider: Die Mehrheit der befragten Branchenvertreter geht von gleichbleibenden Geschäften aus.

Automobilzulieferer und Vorleistungsgüterindustrie

Aktuelle Lage: Die Nachfrage nach Erzeugnissen der heimischen Automobilzulieferer und Vorleistungsgüterproduzenten ist weiterhin rückläufig. Die Unternehmen berichten von weiterem Auftragsrückgang aus dem In- wie auch aus dem Ausland. Nur noch 33 Prozent (-9 Prozentpunkte gegenüber Vorumfrage) bewerten ihre aktuelle Lage als „gut", 11 Prozent sind unzufrieden (+6 Prozentpunkte gegenüber der Vorumfrage).
Die aktuelle Kapazitätsauslastung bleibt dennoch überwiegend gut (voll: 53 Prozent; befriedigend: 23), doch wuchs der Anteil der Befragten, die ihre Auslastung als nicht ausreichend bezeichnen seit der letzten Umfrage im Herbst 2019 von 11 auf 24 Prozent.

Erwartungen: Schnelle Erholung ist mit Blick auf die „Geschäftserwartungen" der heimischen Branchenvertreter eher unwahrscheinlich, denn während 6 Prozent mit einer Belebung rechnen, äußern sich 35 Prozent gegenteilig. Somit rutscht der Saldo mit -29 Punkten deutlich in den negativen Bereich.

(Polster-)Möbelindustrie

Aktuelle Lage: Die befragten Gebrauchsgüterproduzenten zeigen sich zu Jahresbeginn mit ihrer aktuellen Situation wenig zufrieden. Trotz des robusten Arbeitsmarktes und vor dem Hintergrund steigender Einkommen hat die gewachsene Kaufkraft keinen Anstieg der Möbelkäufe bewirkt. Zwar berichten 33 Prozent der Möbler von guten Geschäften, allerdings auch 50 Prozent von einem negativen Geschäftsverlauf. Zwei Drittel der Betriebe haben ihre Kapazität voll bzw. befriedigend ausgelastet.

Erwartungen: Mit einer ähnlichen Entwicklung rechnen die Unternehmen in den kommenden Monaten: Es dominieren weiterhin die Betriebe, die mit einer gleich bleibenden Entwicklung (60 Prozent) rechnen, von einer Verbesserung gehen immerhin 20 Prozent der befragten Unternehmen aus.

Dienstleistung

Versicherungs- und Finanzgewerbe

Aktuelle Lage: Zufrieden mit der aktuellen Situation zeigt sich das regional sehr starke Versicherungs- und Finanzgewerbe. Alle Unternehmen sind voll bzw. befriedigend ausgelastet. 50 Prozent der Branchenvertreter konnten ihre Geschäftslage nochmals verbessern, kein Unternehmen ist „unzufrieden".

Erwartungen: Für die kommenden Monate rechnen 20 Prozent der Branchenvertreter mit einer weiteren Verbesserung ihrer Geschäftslage.

Unternehmensnahes Dienstleistungsgewerbe

Aktuelle Lage: Die Coburger unternehmensnahen Dienstleister können sich dem Abwärtssog der Industrie nicht gänzlich entziehen. Die Geschäftslage sinkt per Saldo von 45 auf 23 Punkte, was im Rahmen der konjunkturellen Großwetterlage eine bemerkenswerte Bewertung ist. Aktuell bezeichnen 46 Prozent der befragten Unternehmer ihre Lage als „gut", 23 Prozent sind aber auch „unzufrieden".

Erwartungen: Die Geschäftsaussichten in dieser Branche sind von Pessimismus geprägt: 36 Prozent der Unternehmen rechnen mit Eintrübung und nur 9 Prozent mit Geschäftsbelebung.

Handel

Einzelhandel

Aktuelle Lage: Im Coburger Einzelhandel hat sich die Stimmung wieder etwas aufgehellt, nachdem man vom privaten Konsum im Weihnachtsgeschäft profitieren konnte. Niedrige Arbeitslosigkeit, Einkommenssteigerungen und günstige Finanzierungsbedingungen hielten die Konsumlaune hoch. Dementsprechend zufriedener sind die Einzelhändler mit ihrer aktuellen Geschäftslage: 83 Prozent bezeichnen ihre Lage als „gut" bzw. „befriedigend".

Erwartungen: Vorsichtig optimistisch fällt der Blick der Einzelhändler auf die kommenden Monate aus. 36 Prozent der befragten Branchenvertreter gehen von steigenden Umsätzen und 18 Prozent von einer gegenteiligen Entwicklung aus.

Großhandel

Aktuelle Lage: Der Großhandel hängt neben dem privaten Konsum von den konjunkturellen Entwicklungen in anderen Wirtschaftsbranchen ab. Die Geschäfte der Coburger Grossisten laufen zwar nach wie vor gut, doch die Stimmung kühlt sich ab. Aktuell berichten 46 Prozent der Branchenvertreter von guten Geschäften und 18 Prozent von schlechten, der Saldo bleibt mit 28 Punkten deutlich hinter seinem Wert aus dem Herbst 2019 (60 Punkte) zurück.

Erwartungen: Die Erwartungen der Unternehmen an den künftigen Geschäftsverlauf bleiben stabil und per Saldo deutlich im positiven Bereich (20 Punkte): 20 Prozent der Großhändler rechnen mit einer Belebung und 80 Prozent mit gleichbleibenden Geschäften.

Tourismus

Aktuelle Lage: Im Tourismus zeigen sich die Unternehmen weiterhin zufrieden, wenngleich die Umsatzentwicklung etwas an Dynamik, insbesondere bei Urlaubsreisenden, eingebüßt hat. Dennoch freuen sich 56 Prozent der befragten Branchenvertreter über eine volle Auslastung. 53 Prozent beurteilen die Geschäftslage als gut, 16 Prozent sind unzufrieden.

Erwartung: Beim Blick auf die kommenden Monate sind die Prognosen vorsichtig optimistisch. Der Großteil (65 Prozent) rechnet mit einer stabilen Geschäftsentwicklung. 33 Prozent rechnen zwar mit einem Umsatzplus, Wachstumsimpulse kommen aber überwiegend von Geschäftsreisenden.