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Coburgs Wirtschaft trotz Herausforderungen mehrheitlich optimistisch

„Coburgs Wirtschaft ist in guter Verfassung, weil die Auftragsbücher derzeit gut gefüllt sind, wenngleich wir feststellen müssen, dass die Dynamik der Investitionstätigkeit nachgelassen hat", kommentiert IHK-Präsident Friedrich Herdan die Konjunkturumfrage der IHK zu Coburg zum Jahresbeginn 2019. „Unsere Unternehmen sind aufgrund der schwelenden Handelsstreitigkeiten, des nach wie vor ungelösten Brexits sowie der aktuellen Probleme bei den Handelspartnern Frankreich und Italien gefordert. Zudem steht die Automotive-Industrie vor besonderen Herausforderungen auf Grund von verschärften Grenzwertvorgaben von Emissionen bei Verbrennungsmotoren, des Trends zu Elektromobilität, bis hin zum vernetzten und autonomen Fahren. Insgesamt aber überwiegen die Optimisten, die bei den Geschäftsperspektiven weiter auf einen moderaten Wachstumskurs der Coburger Wirtschaft in 2019 setzen."

Aktuell bewerten branchenübergreifend 85 Prozent der heimischen Betriebe die derzeitige Geschäftslage als „gut" oder „befriedigend"; 15 Prozent sind „unzufrieden". Im Vergleich zur Herbstumfrage 2018 ist der Saldo aus positiven und negativen Bewertungen um 6 Zähler auf 34 Punkte gefallen.

Der Konjunkturklimaindex, der als Stimmungswert sowohl die aktuelle Geschäftslage der Unternehmen als auch die Geschäftserwartungen abbildet, liegt nun bei 119 Punkten (minus 2 Punkte im Vergleich zur Vorumfrage im Herbst 2018) und damit aber immer noch über dem langfristigen Durchschnittswert von 116 Punkten.

„Fundament unserer hohen Wettbewerbsfähigkeit und damit unseres Wachstums im IHK-Bezirk Coburg ist unser technologischer Vorsprung auf Grund Innovationen und Investitionen in die Zukunft. Um diese hart erkämpfte Position nachhaltig zu sichern und auszubauen, ist die Politik nun gefordert. Sie muss sich verstärkt darauf fokussieren, wirtschaftliche Potenziale zu heben. Dazu gehören strukturelle Entlastungen wie der vollständige Abbau des Solidaritätszuschlags, verbesserte Abschreibungsbedingungen sowie steuerliche Forschungsbelohnung. Nur so können unsere Unternehmen im Wettbewerb um Zukunftsmärkte und Fachkräfte mithalten", so Herdan abschließend.

 

Die Branchen im Einzelnen


Industrie

Aktuelle Lage: Trotz der andauernden turbulenten Zeiten im globalen Warenverkehr hat Coburgs international stark verflochtene Industrie im Vergleich zur Vorumfrage wieder leicht Fahrt aufgenommen. Positive Impulse verzeichnen die befragten Unternehmer aus dem Inland sowie aus Nordamerika und China. Die Auftragsbestände der regionalen Industriebetriebe sind groß, so dass die Produktionskapazitäten zu Teilen voll bzw. befriedigend ausgelastet sind. Entsprechend zeigen sich die Coburger Industriebetriebe mit ihren Geschäften aktuell relativ zufrieden: 48 Prozent bezeichnen ihre aktuelle Lage als „gut" (+4 Prozentpunkte), 12 Prozent als „schlecht".

Erwartungen: Bei der Beurteilung der künftigen Geschäftslage bleiben die befragten Branchenvertreter vorsichtig. 27 Prozent der Unternehmen erwarten in den kommenden Monaten einen günstigeren Geschäftsverlauf, aber mehr als die Hälfte, nämlich 54 Prozent der befragten Industriebetriebe, geht von gleichbleibender Dynamik aus. Per Saldo sind die Geschäftserwartungen jedoch wieder angestiegen.

 

Maschinenbau

Aktuelle Lage: Dank leicht gestiegener Auftragseingänge insbesondere aus der Euro-Zone und Nord-Amerika und damit voller bzw. befriedigender Kapazitätsauslastung sind die Coburger Maschinenbauer mit ihrer aktuellen Situation mehrheitlich zufrieden.

Erwartungen: Die Zukunftsaussichten werden im Maschinenbau wieder optimistischer eingeschätzt. 25 Prozent gehen von einer Verbesserung der Geschäftslage in den Folgemonaten aus.

 

Automobilzulieferer und Vorleistungsgüterindustrie

Aktuelle Lage: Die Coburger Automobilzulieferer und Erzeuger von Vorleistungsgütern berichten von gut laufenden Geschäften. Dabei bezeichnen 59 Prozent ihre Lage als „gut", nur 6 Prozent sind „unzufrieden". Die abgeschwächte Nachfrage aus dem Ausland, kann bislang durch höhere Aufträge aus dem Inland nahezu kompensiert werden. 82 Prozent der Branchenvertreter berichten von einem „relativ großen" bzw. „ausreichenden" Auftragsbestand.

Erwartungen: Der Blick auf die Wachstumsaussichten für die kommenden zwölf Monate zeigt ein verhalteneres Bild: 77 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer stabilen Entwicklung, die Pessimisten (16 Prozent) überwiegen gegenüber den Optimisten (8 Prozent). Stabile Zuwächse erwarten die befragten Unternehmer dank guter Beschäftigungs- und Einkommensentwicklung der Verbraucher aus dem Inland.

 

(Polster-)Möbelindustrie

Aktuelle Lage: In einem schwierigen Marktumfeld mit hoher Importkonkurrenz zeigt sich die Geschäftslage der befragten Gebrauchsgüterproduzenten im Vergleich zur Vorumfrage etwas besser. Dank einer moderat gestiegenen Inlandsnachfrage ist die große Mehrheit der regionalen Möbler mit ihren Geschäften dennoch zufrieden, nur 9 Prozent berichten Gegenteiliges. Nahezu drei Viertel der Betriebe berichten von voller bzw. befriedigender Kapazitätsauslastung.

Erwartungen: Vor der Erwartung einer positiven Konsumnachfrage, steigender Nettoeinkommen und robuster Baukonjunktur blicken die Gebrauchsgüterproduzenten wieder hoffnungsvoller auf die kommenden Monate. 40 Prozent der Befragten gehen von einer Verbesserung der Geschäftslage aus.

 

Dienstleistung

Versicherungs- und Finanzgewerbe

Aktuelle Lage: Zufrieden mit der aktuellen Situation zeigt sich das regional sehr starke Versicherungs- und Finanzgewerbe. Alle Unternehmen sind voll bzw. befriedigend ausgelastet. 40 Prozent der Branchenvertreter konnten ihre Geschäftslage nochmals verbessern, kein Unternehmen ist „unzufrieden".

Erwartungen: Für die kommenden Monate rechnet ein Drittel der Branchenvertreter mit weiter steigenden Umsätzen.

 

Unternehmensnahes Dienstleistungsgewerbe

Aktuelle Lage: Das unternehmensnahe Dienstleistungsgewerbe im IHK-Bezirk Coburg bleibt auf stabilem Wachstumskurs. Die Geschäfte laufen weiterhin gut: Die Hälfte der Unternehmen bewertet ihre aktuelle Geschäftslage mit „gut", 13 Prozent sind unzufrieden. Die Umsätze haben zugenommen und die Auslastung ist hoch: 63 Prozent der unternehmensnahen Dienstleister sind voll ausgelastet.

Erwartungen: Die Dienstleiter bleiben für die kommenden Monate optimistisch und rechnen weiterhin mit einer positiven Entwicklung: 43 Prozent der Unternehmen erwarten sogar eine weitere Belebung, 14 Prozent eine Eintrübung. Damit liegen die Erwartungen über dem Niveau vom Herbst.

 

Handel

Einzelhandel

Aktuelle Lage: Auch zu Jahresbeginn macht sich unter den Coburger Einzelhändlern Ernüchterung breit. Lediglich 13 Prozent erfreuen sich guter Geschäfte, ein Viertel ist mit der aktuellen Situation „unzufrieden". Das Weihnachtsgeschäft ist nicht für jeden Einzelhändler zufriedenstellend verlaufen. Die Hälfte der Branchenvertreter verzeichnet Lagerbestände, die deutlich größer sind als saisonüblich. Zwar entwickelte sich das verfügbare Einkommen der Verbraucher im Jahresverlauf sehr gut, allerdings sorgten gestiegene Benzin- und Heizölpreise sowie eine Zunahme der Sparquote für Kaufzurückhaltung.

Erwartungen: Für die kommenden Monate haben Coburgs Einzelhändler ihre Erwartungen heruntergeschraubt. 25 Prozent rechnen mit einer Belebung, 37,5 Prozent mit einer weiteren Eintrübung. Der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Geschäftsaussichten erreicht -12,5 Punkte (Frühjahr: -10 Punkte). Die weitere positive Entwicklung der Gehälter auf Grund mehrstufiger Tarifabschlüsse in 2018 könnte aber in den kommenden Monaten zu höherem privaten Konsum führen.

 

Großhandel

Aktuelle Lage: Coburgs Grossisten berichten von einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung, die von der grundsätzlich guten gesamtwirtschaftlichen Lage, niedrigen Zinsen und zuversichtlichen Einkommenserwartungen begünstigt wird. 67 Prozent der Befragten urteilen „gut", nur 8 Prozent „schlecht".

Erwartungen: Auch für die kommenden Monate bleiben die Unternehmen zuversichtlich, wenngleich sie ihre Wachstumsprognose leicht herabgesetzt haben: 25 Prozent der Großhändler rechnen mit einer Belebung und 11 Prozent mit einer Eintrübung.

 

Tourismus

Aktuelle Lage: Die regionalen Beherbergungs- und Gastronomieunternehmen berichten insgesamt von zufriedenstellenden Geschäften. Acht von zehn Unternehmen bezeichnen ihre aktuelle Geschäftslage als „gut" oder „befriedigend". 85 Prozent der Hoteliers sprechen von „guter" bzw. „befriedigender" Zimmerauslastung in den letzten sechs Monaten.

Erwartungen: Auf das Frühjahr blickt die Branche verhaltener. Der Großteil rechnet mit einer stabilen Geschäftsentwicklung. Erhebliche Probleme bereitet den Unternehmen der Fachkräftemangel, der damit insbesondere im Tourismus zunehmend zur Wachstumsbremse wird.